Gaht's-no!-Priis 2020


Gaht’s-no!-Priis - Die Nominierten für 2020

 

Geschichte 1: «Vorerst keine mediterranen Nächte in Zürich»

Bars und Restaurants dürfen in diesem Sommer nicht länger geöffnet bleiben. Die Bars und Restaurants in der Stadt Zürich müssen ihre Gartenwirtschaften auch in diesem Sommer zur gewohnten Zeit um Mitternacht schliessen. «Mediterrane Nächte» wird es heuer keine geben. Das Pilotprojekt wollte es gewissen Gastrobetrieben versuchsweise erlauben, an lauen Sommerabenden bis zwei Uhr morgens geöffnet zu haben. Bei einigen Bewohnern der Innenstadt stiess das Vorhaben jedoch von Beginn an auf Gegenwehr. Die Gegner können sich zwar vorerst freuen, entschieden ist aber faktisch noch nichts. Der Grund für das vorläufige Aus des Projekts sind die Gerichtsferien, die eine aufschiebende Wirkung entfalten. Drei Quartiervereine hatten beim Baurekursgericht gegen die «mediterranen Nächte» rekurriert. Dieses trat jedoch nicht auf den Rekurs ein mit der Begründung, nicht für den Fall zuständig zu sein. Die «mediterranen Nächte» führten nicht zu einer bewilligungspflichtigen Nutzungsänderung. Hier geht es zur ganzen Berichterstattung.

 

Geschichte 2: «Wieder zerplatzt eine Seifenblase am Amtsschimmel» 

Das Bezirksgericht Zürich hat Gunnar Jauch, Strassenkünstler mit einer Mission, erneut verurteilt. Dessen poetische und stille Kunst verträgt sich nicht mit öffentlicher Ordnung nach Zürcherart. Gunnar Jauch macht Seifenblasen vor dem Zürcher Bezirksgericht, als dieses sich im Februar 2016 erstmals mit dem Strassenkünstler befasst. (Bild: Adrian Baer / NZZ) Das Problem: Am See ist Strassenkunst grundsätzlich auch ohne Bewilligung erlaubt, auf dem Mühlesteg wo Gunnar Jauch seine Seifenblasen steigen lässt nicht. Der Verteidiger führte dagegen sachliche Gründe an. Dieser Steg diene nicht nur als Verbindung für Fussgänger und Velofahrer über die Limmat. Die insgesamt vier halbmondartigen Ausbuchtungen zeigten, dass er auch zum Innehalten gedacht sei. Indem Jauch auf einer der Ausbuchtungen Seifenblasen habe steigen lassen, habe er den Verkehr nicht gestört und nur minim öffentlichen Grund in Anspruch genommen. Damit sei seine Aufführung nicht bewilligungspflichtig gewesen. Die ausgesprochenen Bussen seien durch das Gericht aufzuheben. Lesen Sie hier den ganzen Beitrag.


Geschichte 3: «Zürich verhindert Veloladen in Ökosiedlung» 

Zwei Velomechaniker wollen in die Siedlung Kronenwiese ziehen. Doch die Stadt verweigert Ihnen den Vertrag. Begründung der Stadt: Der Entscheid erfolgt nach sorgfältiger Abwägung. In unmittelbarer Nähe befindet sich bereits ein Veloladen. Eine Vermietung an einen weiteren Veloladen würde der gewerblichen Vielfalt innerhalb der Branche und im Umfeld widersprechen. Das wäre nicht vereinbar mit der städtischen Gewerbestrategie. Die Begründung hat einen Haken. Eichmann und Hunkeler haben ihre Läden bereits im Quartier unweit des neuen Standorts. Mit dem neuen Laden wäre also keine neue Konkurrenz entstanden. Lesen Sie hier die ganze unglaubliche Geschichte

 

Geschichte 4: «Schliessung Spargelstand» 

Seit Ende März verkauft der Zürcher Caspar Ruetz die badischen Spargeln, mit denen er üblicherweise gegen hundert Restaurants in der Region beliefert, in einem grossen Innenhof des Seefeldquartiers direkt an die Bevölkerung. Gegen 2,5 Tonnen der überaus schmackhaften und zarten Stangen haben er und seine Frau seither zu über zweitausend Bündeln geschnürt – und innert gut einer Woche mit behördlichem Segen an den Mann und die Frau gebracht. Es soll vorgekommen sein, dass an einem einzigen Vormittag 800 Kilogramm à 24 Franken weggingen. Bis maximal Mitte Juni hätte der improvisierte «städtische Spargel-Hof-Laden» an der Feldeggstrasse 21/29 in Betrieb sein sollen. Doch nun haben die Behörden Ruetz, der selbst um die Ecke wohnt und auch als «Spargel-Caspar» bekannt ist, den Riegel geschoben. Marc Surber von der Medienstelle der Stadtpolizei bestätigt auf Anfrage, dass der Verkauf diese Woche unterbunden worden sei. Hat die Stadtpolizei einen Spargelstand im Seefeld zu Recht geschlossen? Eine Aussage von Sicherheitsdirektor Mario Fehr weckt Zweifel. Wurde dann aber doch bewilligt. Hier geht's zum Beitrag.

 

Geschichte 5: «Risikoanalye Räbeliechtli-Umzug» 

Die Veranstalter von Räbeliechtli-Umzügen in Zürich müssen ihrem Gesuch seit Anfang Jahr eine Risikoanalyse beilegen. Das sei völlig unverhältnismässig, kritisieren die Organisatoren. Die Polizei reagiert überrascht. Die Räbeliechtli-Umzüge sind für viele Kinder in der Stadt Zürich ein Fixpunkt im Jahreslauf. Anfang November marschieren jeweils Tausende mit ihren selbst ausgehöhlten, kunstvoll verzierten und von Teelichtern erleuchteten Räben durch die Quartiere. Zum Abschluss des Lichterumzugs werden den Teilnehmern Tee, Punsch, Weggen oder Biberli gereicht. Doch nun droht laut den Organisatoren Ungemach. Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

 

Geschichte 6: «Autokino Dietikon» 

Am 19.5. knipste der Kanton Zürich dem Autokino von Mika Steinmann das Licht aus. Nun erhält der 19-jährige Gymischüler eine Ausnahmebewilligung. Steinmann hatte das Autokino in Dietlikon innert kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Am 7. Mai flimmerte der erste Film über die Leinwand. «Ich ging bis zum Corona-Lockdown regelmässig mit meinen Freunden ins Kino und wollte auch weiterhin nicht darauf verzichten.» Der logische Schritt war für ihn deshalb, ein Autokino zu eröffnen, da in den Fahrzeugen alle Schutzvorschriften eingehalten werden können. Nur zwei Wochen später machte der Kanton Zürich dem Autokino allerdings einen Strich durch die Rechnung. Für den Betrieb sei eine offizielle Bewilligung des Kantons nötig – eine von der Gemeinde reiche nicht aus. Hier geht es zur ganzen Geschichte.