Gaht's-no!-Priis 2018


Gaht’s-no!-Priis - Die Nominierten für 2018

Geschichte 1
«Wenn sich zuhause der Amtsschimmel einnistet»
Über 40 Jahre lebte die Familie Schumacher in einer ruhigen Siedlung. 2013 befand der Zürcher Stadt-rat, der Asphof sei ein schützenswerter Bau. Das Haus rückte ins Visier des Denkmalschutzes. Seit Anfang 2014 wurde der Asphof elf Mal mit bis zu 17 Personen von der Denkmalpflege «begangen». Dringlich bauliche Massnahmen können seit 2013 nicht mehr einfach umgesetzt werden, sondern bedürfen einer Bewilligung, die nicht selten mit zusätzlichen Auflagen und entsprechend höheren Kosten verbunden ist. Der Prozess, ob ein Haus schutzwürdig ist oder nicht, sollte in der Regel in zwei Jahren abgeschlossen sein. Bei den Schumachers sind es inzwischen unglaubliche fünf Jahre. Hier geht es zum Beitrag im Beobachter.

Geschichte 2
«Ein Alarm genügt nicht»
Getränkehändler Roger Bösch zeigt sein staatlich verordnetes Fitnessprogramm. Seit seine Liftanlage vom Fachinspektorat für Aufzugsanlagen Winterthur FAWI bei einer Kontrolle – die 522 Franken für 30 Minuten kostete – bemängelt wurde, müssen Bösch und seine Mitarbeiter jeden Tag Hunderte Treppenstufen bewältigen. Der Lift darf keine Personen mehr befördern. Die eingebaute Alarmanlage ist den Beamten nicht sicher genug. Obwohl der schrille Signalton weit herum hörbar ist, müsste eine zusätzliche Notrufeinrichtung installiert werden. Diese kostet – wie sollte es auch anders sein – eine schöne Stange Geld. Das FAWI führt aus, es könne sein, «dass sich bei einer Betriebsstörung eine Person im Lift befindet und keine Hilfe anfordern kann». Roger Bösch ist irritiert, denn der Lift ist nur während der Geschäftszeiten in Betrieb. Der Alarm wäre für das Personal also unüberhörbar. Gemäss Richtlinie muss die Erhöhung der Sicherheit wirtschaftlich vertretbar sein und wesentlich zur Erhöhung der Sicherheit beitragen. «Diese beiden Punkte sind in meinem Fall sicher nicht erfüllt», stellt Bösch klar. Hier geht es zum Beitrag in der Gewerbezeitung.


Geschichte 3
«Drehpause am Bürkliplatz» (Das Riesenrad darf unter der Woche nicht in Betrieb sein)
Nicht nur Ladengeschäfte haben amtliche Öffnungszeiten, auch der Spass im öffentlichen Raum ist zeitlich reguliert. Das Riesenrad am Zürcher Bürkliplatz darf man zwar wochenlang bestaunen, aber nur selten besteigen. Meistens steht es still, weil der Stadtrat es so will. Nicht nur Geschäfte müssen sich mit solcherlei Regulierungen herumschlagen. Auch der Spass im öffentlichen Raum hat seine Öffnungszeiten. Die sogenannten Frühlingsspieltage etwa, die jeweils während vier Wochen rund um das Sechseläuten auf dem Zürcher Bürkliplatz stattfinden, gehorchen glasklaren Richtlinien, was aber nicht heisst, dass diese Richtlinien einleuchtend wären. Das bekamen dieser Tage all jene zu spüren, die den frühsommerlich warmen April dazu nutzen wollten, die Limmatstadt, den See und die Alpen für einmal vom Riesenrad aus zu betrachten. Schon von weitem sorgt der Anblick des Riesenrades für gute Laune und Ferienstimmung und weckt in mancher Kinder- oder Touristenseele die Lust auf ein nicht alltägliches Fährtchen in luftige Höhen. Ungezählte potenzielle Riesenrad-Passagiere haben sich allerdings zu früh gefreut. Sie haben nicht mit der durchdringenden Kraft der Regulierung gerechnet. Riesenradfahrten gibt es während der Frühlingsspieltage nämlich nur an den vier Wochenenden. Wochentags darf man das Riesenrad zwar anschauen, aber nicht besteigen, geschweige denn damit fahren. Dann ist amtlich verordnete Spielpause, sei das Wetter noch so prächtig und die Warteschlange noch so lang. Ordnung muss sein. Der Stadtrat halte sich an seinen eigenen Beschluss von 2005, lässt er ausrichten. Doch was für einen Sinn hat so eine Regulierung? Entspricht sie dem Bedürfnis der Bevölkerung? Eine Antwort auf diese simplen Fragen gibt es trotz mehrfachem Nachfragen beim zuständigen Sicherheitsdepartement nicht. Hier geht es zum Beitrag in der NZZ.


Geschichte 4
«Was gut gemeint ist, ist oft nicht gut»

Der Gemeinderat will, dass die Stadt Uster ein «Faire Trade Town» wird. Das Parlament hat am 4. Juni 2018 eine entsprechende Weisung, basierend auf einer Motion der Grünen Partei, verabschiedet - gegen den Willen der SVP. Uster soll sich mit dem Einsatz von Mitarbeitern der Verwaltung und der Verwendung von Steuergeldern für das Label «Fair Trade Town Uster» bewerben – so die Forderung des Parlaments. David Margelisch, Mitglied der SVP-Parteileitung, hat sich vertieft mit dem Thema «Fairtrade» auseinandergesetzt. «Fairtrade»-Produzenten kommen nicht aus Europa und deren Produkte stehen zum grossen Teil in direkter Konkurrenz zu einheimischen Produkten (Blumen, Fruchtsäfte, Früchte, Honig, Gemüse, Gewürze/Öle). «Fairtrade» blendet die langen Transportwege aus und ist nichts anderes als eine zusätzliche Art von Entwicklungshilfe. Einer «fair» produzierten Banane (Nummer 1 der Fairtrade-Produkte) aus Südamerika soll ein höherer gesellschaftlicher Stellenwert gegeben werden, als einem Apfel aus Uster. Ist das «fair»? Das führt zukünftig zur absurden Situation, dass im Stadthaus Uster bei zukünftigen Anlässen die Blumen statt aus Uster mit dem Flugzeug aus dem Ausland eingeflogen werden und das beim Apéro nicht mehr einheimische und lokal produzierte Produkte angeboten werden dürfen, sondern «faire» Lebensmittel, die mit dem Schiff und/oder Flugzeug eingeflogen werden.

Geschichte 5
Züricher Gastronomie leidet unter Bürokratieirrsinn:
Florian Weber musste beinahe sein Wirte Patent abgeben. Er, der gemeinsam mit Geschäftspartner Michel Péclard zwölf Betriebe führt – darunter die Seebeiz Pumpstation und das Kaffee Schober im Niederdorf. Sieben Verzeigungen in sieben Jahren – das war der städtischen Wirtschaftspolizei zu viel. Die letzte Busse von 450 Franken bezahlte Weber für ein deplatziertes Stuhlbein. Es stand ausserhalb der Boulevardzone, in der Milchbar im Kreis 1. Knapp fünf Zentimeter, wie der Kommissar der Wirtschaftspolizei mit dem Massstab eruiert hatte. Eine frühere Verzeigung galt einem Sonnenschirm. Sein Sockel stand zwar innerhalb des erlaubten Bereichs, doch die Spitze des Segels überragte diesen um einige Zentimeter. Auch in diesem Fall hatte der Wirtschaftspolizist durchgegriffen. Bei einer weiteren Verzeigung müsse er Weber die Patente entziehen. Hier geht's zum Beitrag im Tages Anzeiger.